Bei einem russischen Progress-Frachtraumschiff auf dem Weg zur Internationalen Raumstation (ISS) ist ein kritisches technisches Problem aufgetreten: Die Primärantenne ließ sich nach dem Start nicht ordnungsgemäß ausfahren, was die Missionskontrolle dazu zwang, sich auf einen manuellen Andockvorgang vorzubereiten. Das unbemannte Schiff Progress 94 (Progress MS-33) startete am Sonntag in Kasachstan und transportierte etwa 2.500 Kilogramm lebenswichtiger Güter – Nahrung, Wasser, Treibstoff und wissenschaftliche Ausrüstung –, die für das umlaufende Labor bestimmt waren.
Die Störung führt dazu, dass das Schiff nicht wie ursprünglich für Dienstag geplant automatisch eine Verbindung zur ISS herstellen kann. Stattdessen wird der russische Kosmonaut Sergey Kud-Sverchkov, der derzeit im Rahmen der Expedition 73/74 an Bord der Station ist, wahrscheinlich ein Backup-System verwenden, um das Raumschiff aus der Ferne zum Andocken an das russische Poisk-Modul zu steuern. Diese manuelle Außerkraftsetzung ist ein Notfallverfahren, verdeutlicht jedoch das Risiko, sich auf automatisierte Systeme im Weltraum zu verlassen.
Warum das wichtig ist: Die ISS ist auf regelmäßige Nachschubmissionen angewiesen, und während die NASA und andere internationale Partner einen Beitrag leisten, spielt Russland eine Schlüsselrolle in der Logistik. Antennenausfälle sind selten, können aber auf umfassendere Zuverlässigkeitsprobleme aufgrund alternder Hardware oder Startbelastungen hinweisen. Die Notwendigkeit manueller Eingriffe unterstreicht die anhaltende menschliche Komponente bei Weltraumoperationen, selbst bei zunehmender Automatisierung.
Das Problem trat etwa 40 Minuten nach dem Start ans Licht, als die NASA den Ausfall der Antennenauslösung meldete. Obwohl der Rest des Raumfahrzeugs wie erwartet funktioniert, ist die Antenne für die endgültige Andocksequenz von entscheidender Bedeutung. Kud-Sverchkov verfügt über umfangreiche Erfahrung im Weltraum, darunter sechs Monate auf der ISS zwischen 2020 und 2021. Seine Fähigkeit, manuell zu übernehmen, stellt sicher, dass die Mission fortgesetzt werden kann, erhöht jedoch die Komplexität und das Risiko zusätzlich.
Dieser Vorfall ist kein Einzelfall. Der Start von Progress 94 wurde aufgrund von Schäden an der Startrampe des Kosmodroms Baikonur bereits auf Ende 2025 verschoben. Anfang des Jahres hatte die Besatzung der Expedition 73/74 ein Problem mit der Startrampe, und letztes Jahr wurde ein Astronaut aufgrund eines medizinischen Notfalls vorzeitig nach Hause geschickt.
Jüngste ISS-Instabilität: Dies folgt auf eine Reihe von Vorfällen auf der ISS im vergangenen Jahr. NASA-Astronauten waren aufgrund einer defekten Kapsel gestrandet, und auch auf der chinesischen Station Tiangong gab es Probleme mit Trümmern, die ihr Rückkehrfahrzeug trafen. Diese Ereignisse werfen Fragen zur langfristigen Wartung und Alterung der Infrastruktur sowohl in russischen als auch in internationalen Raumfahrtprogrammen auf.
Die NASA wird den Andockversuch am Dienstag per Livestream übertragen und so einen Echtzeit-Einblick in den Vorgang ermöglichen. Unabhängig davon, ob die Antenne teilweise aufgelöst werden kann oder Kud-Sverchkov gezwungen ist, die manuelle Steuerung zu übernehmen, wird die Mission fortgesetzt.
Trotz des Rückschlags sagen Beamte, dass alle anderen Systeme nominell seien und das Andocken wie geplant erfolgen werde, entweder autonom oder mit menschlichem Eingreifen. Der Vorfall erinnert daran, dass die Raumfahrt immer noch von Natur aus riskant ist und selbst etablierte Verfahren anfällig für unerwartete Ausfälle sind.
