Jupiter ist kleiner und flacher als wir dachten: Neue Juno-Daten schreiben das Profil des Riesenplaneten neu

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Seit einem halben Jahrhundert basiert unser Verständnis der Größe Jupiters auf Daten der Voyager- und Pioneer-Missionen. Doch dank der NASA-Raumsonde Juno haben Planetenforscher die bislang genauesten Messungen des größten Planeten des Sonnensystems durchgeführt. Die Ergebnisse? Jupiter ist schlanker und flacher als bisher angenommen.

Obwohl der physische Planet nicht geschrumpft ist, hat sich unsere Fähigkeit, ihn zu messen, dramatisch verbessert. Diese Verfeinerung ist nicht nur eine Frage akademischer Präzision; Es beseitigt jahrzehntelange Diskrepanzen in unseren Modellen des Inneren des Jupiter und bietet ein klareres Fenster in die Tiefen dieses Gasriesen.

Warum die alten Zahlen falsch waren

Bisher wurden die Standardwerte für Jupiters Abmessungen aus nur sechs Radiomessungen abgeleitet, die vor fast 50 Jahren im Rahmen der Voyager- und Pioneer-Missionen durchgeführt wurden. Während diese frühen Missionen den Grundstein legten, waren ihre Daten begrenzt.

Die neue Studie nutzt 26 hochpräzise Messungen von Juno und liefert so einen wesentlich robusteren Datensatz.

„Junos Vorbeigehen hinter Jupiter bietet eine Gelegenheit für neue wissenschaftliche Ziele“, sagte Dr. Scott Bolton, Junos leitender Forscher am Southwest Research Institute. „Wenn die Raumsonde hinter dem Planeten vorbeifliegt, wird ihr Funkkommunikationssignal durch die Atmosphäre des Jupiter blockiert und abgelenkt. Dies ermöglicht eine genaue Messung der Größe des Jupiter.“

Durch die Verfolgung der Biegung dieser Radiosignale beim Durchqueren der Jupiteratmosphäre könnten Forscher detaillierte Karten der Temperatur und Dichte des Planeten erstellen. Mit dieser Methode konnten sie atmosphärische Daten in ein äußerst genaues Bild der physischen Form des Jupiter umwandeln.

Die neuen Messungen

Das von Forschern des Weizmann Institute of Science geleitete Team stellte fest, dass die Abmessungen des Jupiter insgesamt kleiner sind als Lehrbuchschätzungen:

  • Polarradius: 66.842 km (12 km kleiner als frühere Schätzungen)
  • Äquatorialer Radius: 71.488 km (4 km kleiner als frühere Schätzungen)
  • Mittlerer Radius: 69.886 km (8 km kleiner als frühere Schätzungen)

Professor Yohai Kaspi vom Weizmann-Institut bemerkte, dass die Kenntnis der Entfernung zum Jupiter und die Beobachtung seiner Rotation zwar einen allgemeinen Eindruck von seiner Größe vermitteln, die tatsächliche Genauigkeit jedoch eine ausgefeilte Analyse der atmosphärischen Interferenzen erfordert.

Das Geheimnis um Jupiters Inneres lösen

Warum sind diese wenigen Kilometer wichtig? Weil sie eine kritische Lücke in der Planetenwissenschaft schließen.

Jahrelang hatten Modelle des Jupiterinneren Schwierigkeiten, Schwerkraftdaten mit atmosphärischen Messungen in Einklang zu bringen. Die Diskrepanz war oft auf frühere Berechnungen zurückzuführen, die Jupiters starke Zonenwinde und tiefe atmosphärische Dynamik nicht vollständig berücksichtigen konnten.

„Diese wenigen Kilometer sind wichtig. Durch eine geringfügige Verschiebung des Radius passen unsere Modelle des Jupiterinneren viel besser sowohl zu den Schwerkraftdaten als auch zu atmosphärischen Messungen“, erklärte Dr. Eli Galanti, Forscher am Weizmann-Institut.

Durch die Einbeziehung der Auswirkungen der starken Jupiterwinde in ihre Berechnungen konnten die Wissenschaftler jahrzehntelange Unstimmigkeiten beseitigen. Die verfeinerte Form ermöglicht eine perfekte Übereinstimmung modernster Modelle der inneren Dichtestruktur des Jupiter mit Beobachtungsdaten.

Eine klarere Sicht unter den Wolken

Jupiter ist eine Welt extremen Wetters mit Winden, die Überschallgeschwindigkeiten erreichen können, und Hurrikanen, die größer als die Erde sind. Das Verständnis seiner Form hilft Wissenschaftlern, diese Kräfte zu verstehen.

„Es ist schwer zu erkennen, was unter den Wolken des Jupiter passiert, aber die Radiodaten geben uns einen Einblick in die Tiefe der Zonenwinde und starken Hurrikane des Jupiter“, sagte Professor Kaspi.

Dieser Durchbruch aktualisiert nicht nur eine Zahl in einem Lehrbuch; Es erweitert unser grundlegendes Verständnis darüber, wie Gasriesen entstehen und sich entwickeln. Wie Dr. Galanti feststellte: „Die Lehrbücher müssen aktualisiert werden. Die Größe des Jupiter hat sich natürlich nicht geändert, aber die Art und Weise, wie wir ihn messen, schon.“

Die in Nature Astronomy veröffentlichten Ergebnisse stellen einen bedeutenden Fortschritt in der Planetenwissenschaft dar und beweisen, dass selbst unsere bekanntesten himmlischen Nachbarn immer noch Geheimnisse bergen, die darauf warten, mit den richtigen Werkzeugen entdeckt zu werden.


Quelle: E. Galanti et al. 2026. Die Größe und Form des Jupiter. Nat Astron 10, 493-501; doi: 10.1038/s41550-026-02777-x